"Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann."

Rainer Maria Rilke

Dieses Zitat ist für mich in Interviews ebenso zum Motto geworden wie bei Moderationen – egal, ob vor großem oder kleinem Publikum. 

Moderation ist eine Kunst für sich. Ganz egal, ob es dabei um eine Podiumsdiskussion oder eine Pressekonferenz geht, um ein Round-Table-Gespräch oder einen Workshop, ein Seminar oder ein Streitgespräch. Das Zitat von Rainer Maria Rilke umschreibt eine Haltung, die ich dabei besonders wichtig finde. Denn kein Gesprächspartner lässt sich zu einer Äußerung drängen, die er nicht machen will, und keine Entwicklung lässt sich beschleunigen. "Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht", sagt ein afrikanisches Sprichwort.

Eine gute Moderation zeichnet sich – ebenso wie ein gutes Interview! – für mich dadurch aus, das noch Ungesagte im Gegenüber zu ahnen und ihm durch meine Fragen die Möglichkeit zu geben, es zum Ausdruck zu bringen. Manchmal nimmt ein Gespräch dann eine ganz andere Richtung als die urspünglich beabsichtigte. Dann ist es meine Aufgabe, in der Moderation wieder zum Hauptthema zurückzufinden, ohne das kostbare Neue, das gerade entstanden ist, zunichte zu machen.

Gerade weil ein solches Zwiegespräch oder auch das Moderieren einer größeren Gesprächsrunde so viel Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen erfordert, so viel Zugewandtheit und Sachkenntnis vom Thema, um das es geht, ist es für mich jedesmal aufs Neue eine ganz besondere und ganz besonders gern übernommene Aufgabe.